Brian Harte – X will mark the place


The richly detailed and chaotic spaces depicted in Brian Harte’s paintings invariably draw the viewer’s attention, as the eye repeatedly comes across familiar elements and symbols that are then lost again amidst the judicious chaos of the dense colours and composition as quickly as they appeared. A tile pattern in the background might recall a kitchen backsplash, for instance, whilst elsewhere you might detect the outline of something like a teacup or a knife. Shapes resembling the markings on a football pitch, on the other hand, open up room to play with motifs and pictures within the picture. One thing you won’t find, however, is anything solid to hold onto. The rooms and objects suggested appear to float on the surface of the painting, while hints of perspective, three-dimensionality and spaciousness further emphasise the flatness of the canvas. This flatness counteracts the perception of depth in the image at critical moments, so that ultimately, the distance between viewer and image cannot be overcome. In the world of Harte’s imagery, we are outsiders, left behind even when we appear to be close to grasping their complexity. This creates a sense of tension on the canvas that seeks to engage the gaze. Harte’s paintings have something deeply psycho-logical about them, something that remains unfathomable. Their small, identifiable components in the midst of impenetrable swathes of colour locate them at the intersection of the conscious and the unconscious, playing with the relationships between the inner self and its immediate, concrete surroundings.

This peculiar degree of uncertainty is not only integral to the experience of viewing Harte’s paintings, it’s also a constitutive aspect of the creation of the images themselves. Harte’s continuous process as he paints each day in the little studio behind his house is primarily intuitive, allowing fresh impressions from his home and family to find their way into his paintings; though it remains difficult to order them into any sort of personal narrative. In this way, his work as a whole takes on the form of an unstructured archive of everyday experiences, sensations and objects, compiled by Harte and presented to the viewer in an all but unfiltered form. Thus documentary like, he leaves traces of himself in the world – lasting proof of his existence. He also incorporates other material, such as old photographs, especially in his most recent paintings. These evoke a mix of memories, both painful and pleasurable, and demonstrate that for Harte, the past is a component in our experience of the present. His recent works above all interrogate the normalcy of the tangible features of our existence. In other words, he questions everything from the structure of life with his wife and children to the nature of simple household items to the colour of the walls in his kitchen. As such, the uncertainty when one looks at Harte’s paintings becomes even more pronounced. Nothing in the worlds he depicts is self-evident; on the contrary, most of their elements raise questions or create confusion. As viewers, we set ourselves the same task as Harte faces in his work: to investigate impressions of everyday life and ask ourselves what they provoke in us.

Text: Klara Niemann

Die detailreichen und chaotischen Bildräume in Brian Hartes Malereien ziehen unweigerlich die Aufmerksamkeit des Auges auf sich. Denn immer wieder stößt der Blick darin auf erkennbare Elemente und Symbole, die im punktuellen Chaos der Komposition und des Farbauftrags jedoch ebenso schnell wieder verloren gehen, wie sie aufgetaucht sind. Kacheln als Hintergrundmuster erinnern beispielsweise an eine Küchennische, anderswo treten Umrisse auf, die einer Tasse oder einem Messer ähneln. Strukturen wie Feldmarkierungen eines Fußballplatzes hingegen eröffnen einen Spielraum für Motive und Bilder im Bild. Einen sicheren Halt gibt es darin allerdings nicht. Die angedeuteten Räume und Bildgegenstände scheinen auf der Malfläche zu schwimmen. Dabei wird die Flächigkeit der Leinwand durch Spuren von Perspektive, Dreidimensionalität und Räumlichkeit noch hervorgehoben. Sie wirkt der zu erahnenden Tiefe der Bildinhalte im entscheidenden Moment entgegen, sodass die letzte Distanz zwischen Betrachter*innen und Bild nicht aufzulösen ist. Wir bleiben als Außenstehende Hartes Bildwelten zurück, obwohl ein Erfassen ihrer Komplexität zum Greifen nah zu sein scheint. Auf diese Weise entsteht eine Spannung auf der Leinwand, die jeden Blick engagieren will. Hartes Bilder enthalten etwas zutiefst Psychologisches, das unergründbar bleibt. Mit ihren kleinen, identifizierbaren Komponenten inmitten von undurchdringlichen Farb- und Stiftaufträgen bewegen sie sich an der Schnittstelle des Bewussten und Unbewussten und spielen mit den Beziehungen des Inneren zu seiner direkten und konkreten Umgebung.

Der besondere Grad an Ungewissheit ist nicht nur von betrachtender Seite her konstitutiv für Hartes Gemälde, sondern geht als Gefühl auch in die Bildentstehung ein. Denn Harte handelt in seinem kontinuierlichen Malprozess, an dem er täglich im kleinen Atelier hinter seinem Wohnhaus arbeitet, vor allem intuitiv. Hierbei lässt er frische Eindrücke seines häuslichen und familiären Lebens in die Bilder einfließen, die sich noch in kein persönliches Narrativ eingliedern lassen. So bildet sein Werk in seiner Gänze auch ein unstrukturiertes Archiv alltäglicher Erlebnisse, Empfindungen und Gegenstände, die Harte den Betrachter*innen beinahe ungefiltert zusammengestellt darbietet. Damit hinterlässt er auf dokumentarische Weise eine Spur von sich in der Welt – einen nachhaltigen Beweis seiner Existenz. Besonders in den jüngsten Gemälden integriert er darin außerdem anderes Material wie alte Fotografien. Indem diese ein Gemisch aus schmerz- und lustvoller Erinnerung evozieren, verweisen sie bei Harte auf die Vergangenheit als Bestandteil der unmittelbaren Gegenwart. Die neuen Arbeiten widmen sich vor allem auch der Frage nach der Normalität der konkreten, umliegenden Existenzgrundlagen. Das heißt, sie hinterfragen alles von den Strukturen des Zusammenlebens mit Frau und Kindern bis hin zur Beschaffenheit einfacher Haushaltsgegenstände oder der Wandfarbe in der Küche. Damit ist die Ungewissheit beim Betrachten von Hartes Gemälden noch gestiegen. Nichts in seinen Bildwelten ist selbstverständlich, im Gegenteil werfen die meisten Elemente Fragen auf oder lösen Verwirrung aus. Als Betrachter*innen stellen wir uns die gleiche Aufgabe wie Harte bei seiner Arbeit: die Eindrücke des alltäglichen Lebens zu ergründen und uns zu fragen, was sie in uns auslösen.