Wycliffe Mundopa & Gresham Nyaude – Day & Night

by Klara Niemann

The paintings of artists Wycliffe Mundopa and Gresham Nyaude have one thing in common – they each feature strong figures made up of more or less abstract forms, and bold colour combinations and contrasts. They also each engage intensively and critically with their home, the Zimbabwean capital of Harare. Both Mundopa’s and Nyaude’s vibrant canvases critique the living conditions in the city, but take very different approaches.

Mundopa gives a voice to the country’s most underprivileged people, prostitutes. He depicts them interacting with stylised dogs – from pets to hyena-like beasts – as well as bananas and watermelons. Mundopa uses formalised motifs of this kind as symbols or metaphors, referencing popular African figures of speech and generating specific patterns of meaning for viewers with the same native language. Even the revealing presentation of the women’s bodies is loaded with specific, localised significance. Although it gestures towards the women’s work as prostitutes, their nudity is not indecent or shameful here. Rather, this baring-all expresses a strong protest – it is an act of criticism, of public anger. This explains why Mundopa’s women also confidently assert their dignity in grotesque poses, constellations of images and exaggeration: Mundopa’s dense weave of vibrant, violent colour and loud symbolic language is intended to highlight political and socio-cultural reality. He asks why people are in such need with a biting cynicism, holding up a mirror to the society of his native land.

Nyaude’s work on the other hand is formed much more from the internal, from the world of the emotions, than from the hard realities of life. His paintings comment on Zimbabwean politics from the perspective of experience, and thus with the voice of ordinary people like his neighbours in Mbare – arguably the most notorious ghetto in Harare, where he himself grew up. Nyaude transforms the common vernacular and colloquial forms into symbolic images. Wide, laughing mouths express derision or despair, for example, rather than real joy. Some of his other figures stand on their heads or squat, clutching their legs, in nondescript surroundings. It is also striking that Nyaude’s style of painting also changes with his project to depict Zimbabwe’s emotional landscape. Just as the mood of the country has plunged into a bottomless pit in recent months, Nyaude’s latest paintings in particular have become more abstract, transforming into oceans of meandering, curling patterns that predominantly express the deep uncertainty.

Whereas Mundopa’s approach is ultimately almost feminist and the injustices suffered by the women he paints are intended to be an example of society’s ills, Nyaude expresses his criticism in a more abstract way, as an expression of the feelings of the people. So while Mundopa’s and Nyaude’s perspectives differ, they both make use of unique and powerful imagery. As is typical of Zimbabwean painters, they relate to their native language by making its metaphors and symbols visual.

Was die Malerei der beiden Künstler Wycliffe Mundopa und Gresham Nyaude miteinander verbindet, ist, dass sie sich durch starke Figuren aus mehr oder weniger abstrakten Formen sowie beeindruckenden Farbkonstellationen und -kontrasten auszeichnet. Außerdem eint sie die intensive und kritische Auseinandersetzung mit ihrer Heimat Harare, der Hauptstadt Simbabwes. Auf den pulsierenden Leinwandoberflächen problematisieren Mundopa und Nyaude die dortigen Lebensumstände jedoch mit verschiedenen Ansätzen.

So verleiht Mundopa den Unterprivilegiertesten des Landes in Gestalt von Prostituierten eine Stimme. Er zeigt sie in Interaktion mit stilisierten Hunden – von Schoßtieren bis hyänenartigen Biestern – sowie Bananen und Wassermelonen. Formalisierte Motive wie diese funktionieren bei Mundopa als Zeichen oder Metaphern, die auf populäre afrikanische Sprachbilder verweisen und so für Betrachter*innen mit derselben Muttersprache konkrete Bedeutungsmuster ergeben. Auch die freizügige Körperpräsentation der abgebildeten Frauen ist mit ortsspezifischen Konnotationen behaftet. Zwar weist sie auf die Arbeit der Frauen als Prostituierte hin, jedoch ist die Nacktheit hier nicht anstößig oder schamhaft. Das Entblößen drückt vielmehr einen heftigen Protest aus – es ist ein Akt der Kritik, der öffentlichen Wut. Dies erklärt, warum Mundopas Frauen auch in grotesken Posen, Bildkonstellationen und Übertreibungen selbstbewusst ihre Würde behaupten. Denn es sind die politischen und soziokulturellen Gegebenheiten, auf die Mundopa mithilfe seiner dichten Geflechte aus vibrierender Farbgewalt und lauter Symbolsprache hinweist. Mit beißendem Zynismus fragt er nach den Gründen, die Menschen in Notlagen bringen, und hält so seiner Heimatgesellschaft den Spiegel vor.

Nyaudes Inhalte hingegen formen sich mehr aus dem Inneren und der Welt der Emotionen heraus, als dass sie harte Lebensrealitäten abbilden. Denn in seinen Bildern kommentiert er das politische Geschehen Simbabwes aus der Erfahrungsperspektive und damit mit der Stimme der einfachen Leute, wie seinen Nachbarn in Mbare – dem wohl meist verrufenen Ghetto Harares, in dem er selbst aufgewachsen ist. Dafür überführt Nyaude mundartliche und umgangssprachliche Formulierungen der Bevölkerung in symbolische Bilder. Breit lachende Münder beispielsweise drücken eher Hohn oder Verzweiflung als wahre Freude aus. Andere seiner Figuren stehen Kopf oder hocken, ihre Beine fest umklammernd, in einem undefinierbaren Umraum. Es fällt auf, dass sich innerhalb Nyaudes Projekts, die emotionale Landschaft Simbabwes abzubilden, auch sein Malstil verändert. Ebenso wie die Stimmung im Land während der letzten Monate ins Bodenlose gestürzt ist, abstrahieren sich besonders Nyaudes neuste Gemälde und verwandeln sich in Meere aus sich schlängelnden und kringelnden Mustern, die das vorherrschende Gefühl tiefster Ungewissheit manifestieren.
Während Mundopa schließlich beinahe feministisch vorgeht und die Ungerechtigkeiten, in denen die von ihm abgebildeten Frauen leben, als beispielhaft für Gesellschaftsmissstände darstellt, äußert Nyaude seine Kritik weniger konkretisiert, sondern als Gefühlsausdruck des Volkes. Obwohl also die eingenommenen Perspektiven Mundopas und Nyaudes differieren, bedienen sich beide einer eigenen, äußerst kräftigen Bildsprache. Auf eine für Maler aus Simbabwe typischen Weise orientieren sie sich hierbei an ihrer Muttersprache, indem sie deren Metaphern und Symbole visualisieren.