Larissa Bates –
Las Doñas

by Klara Niemann

Ever since she was a child, Larissa Bates’ everyday life has been characterised by conflicting experiences and contrasting impressions. She grew up in minimalist houses, some without electricity, with her American father, who was part of hippie subculture and had dedicated himself to a simple life, and whom she describes in El Viudo (The Widower) in particular. She thus developed an early interest in the aesthetics of the material culture around her and life in ‘normal’ homes. Though Larissa’s mother died young, her glamorous family were an immense draw for Larissa at that time. The upper class women of Costa Rica swathe themselves in colourful fabrics, shimmering jewellery and elaborate make up. The differences between the two branches of Bates’ family therefore derived not only from their ethnic origin in the different Americas; rather, they also concerned contrasting experiences of spirituality, and conceptions of class, roles, and living standards. How does one deal with having only a subliminal and confused understanding of part of one’s own family and consequently of part of oneself?

Larissa Bates’ art processes questions such as this relating to identity, belonging, and feelings of loss and ‘in-between-ness’. She herself describes her work as a kind of diary in which she records her attempts to approach them. Her use of bright gouache, glimmering gold leaf and mother of pearl creates a unique materiality in her images that results in complex floral and ornamental images. On the one hand they are reminiscent of her Costa Rican family’s lifestyle, which so captivated her as a child. On the other, the materials are also a reference to the former colonial trade routes, thus addressing the cultural interweaving in Costa Rica of European colonialism, Asian trade influences and the South American base. These multi-layered cultural implications are reflected in contemporary arts and crafts in particular, as South Americans apparently attempt to use art to gain access to the motifs and objects that have brought in to their country. This has given rise to Mexican interpretations of Japanese folding screens, named biombos, and enconchadas inspired by the art of lacquering. This kind of artistic appropriation is what ultimately inspires Bates’ paintings. Hybrid works of art never quite fit into indigenous traditions, yet they maintain a definitive point of access to the other – they are intermediaries between cultures. Bates recognises in this her own search for a way to access her foreign/familiar maternal family. This imagery that oscillates between continents and cultures becomes almost a metaphor for cultural convergence, where art provides a unique form of expression for the internal differences that are so difficult to put into words. The language of the materials and style in Bates’ paintings are the point at which her own private experiences and (artistic) attempts to gain access blend with the political dimensions of post-colonialism and the associated questions of cultural property, authenticity, hybridity and multiculturalism. However, they then immediately go beyond this in their use of humorous twists and surreal absurdity. This is how Bates’ multi-layered imagery attempts, in a very personal way, to make tangible the two different cultures within herself and her family, incorporating times and spaces, the foreign and the familiar, in equal measures in an opulent exoticisation of the self.

Seit ihrer jüngsten Kindheit sind widersprüchliche Erfahrungen und kontrastreiche Eindrücke ständige Begleiter in Larissa Bates alltäglichem Leben. Mit ihrem amerikanischen Vater, der sich im Rahmen der Hippie-Subkultur einem einfachen Leben verschrieben hat und von dem sie insbesondere in El Viudo (Der Witwer) erzählt, wächst sie in minimalistischen Häusern teils ohne Strom auf. Früh entwickelt sich bei ihr daher eine Faszination für die Ästhetik der sie umgebenden materiellen Kultur und das Leben in „normalen“ Wohnungen. Insbesondere die glamouröse Einrichtung der Familie ihrer früh verstorbenen Mutter verzaubert sie damals ungemein. Als Teil der Upper Class Costa Ricas hüllen sich die Frauen dort in bunte Stoffe, schimmernden Schmuck und aufwändiges Make-up. Bates zwei Familienteile unterscheiden sich damit nicht nur in ihrer ethnischen Herkunft aus den verschiedenen Amerikas. Vielmehr gehen hiermit auch kontrastierende Erfahrungen von Spiritualität, dem eigenen Klassen- und Rollenverständnis sowie dem Setzen von Lebensstandards einher. Wie geht man also mit einem nur unterschwellig vorhandenen und verwirrten Verständnis eines eigenen Familienteils und damit eines Teils von sich selbst um?

In ihrer künstlerischen Praxis verarbeitet Larissa Bates solche Befragungen der eigenen Identität und Zugehörigkeit sowie Gefühle des Verlusts und des „Dazwischen“. Für sich selbst beschreibt sie ihre Werke in diesem Zusammenhang als eine Art Tagebuch, in dem sie ihre Annäherungsversuche festhält. Dabei weisen ihre Bilder durch den Gebrauch von strahlender Gouache, scheinendem Blattgold und Perlmutt eine einzigartige Materialität auf, die komplexe florale Ornamentflächen schaffen. Zum einen greifen sie den Lebensstil ihrer costa-ricanischen Familie auf, der Bates als Kind in Verzückung versetzte. Zum anderen referieren die Materialien aber auch auf die ehemaligen kolonialen Handelsrouten und verhandeln so die kulturellen Verwebungen, die sich in Costa Rica zwischen der europäischen Kolonialmacht, asiatischen Handelseinflüssen und dem südamerikanischen Grund entspinnen. Diese vielschichtigen kulturellen Verwicklungen spiegeln sich besonders im Kunsthandwerk dieser Zeit wider. Denn mittels der Kunst scheinen die Südamerikaner zu versuchen, einen Zugang zu den mitgebrachten Motiven und Objekten zu finden. So entstehen mexikanisch interpretierte japanische Wandschirme, sogenannte Biombos, oder von der Lackkunst inspirierte Enconchadas. Diese künstlerischen Aneignungsprozesse sind es schließlich, die Bates zu ihrer Malerei inspirieren. Denn die hybriden Kunstwerke passen nie ganz hinein in die eigenen Traditionen, ebenso bleibt ihnen ein endgültiger Zugang zum anderen verwahrt: Sie bilden einen „Zwischen-Ort“ zwischen den Kulturen. Bates erkennt darin ihre eigene Suche nach dem Zugang zum fremd-vertrauten mütterlichen Familienteil wieder. Die zwischen Kontinenten und Kulturen changierende Bildsprache wird geradezu metaphorisch für kulturelle Annäherungen, wobei die Kunst eine einzigartige Ausdrucksform dieser schwer in Worte zu fassenden inneren Differenzen ermöglicht. Die Sprache der Materialien und des Stils in Bates Malereien bilden den Punkt, an dem ihre eigenen, privaten Erfahrungen sowie (künstlerische) Zugangsversuche mit der politischen Dimension des Postkolonialismus und den damit einhergehenden Fragen nach kulturellem Eigentum, Authentizität, Hybridität und Multikulturalität verschmelzen. Gleich darauf entziehen sie sich dieser Ebene jedoch wiederum durch humorvolle Wendungen und surreale Absurditäten. Auf diese Weise versuchen Bates vielschichtige Bildwelten in einem ganz persönlichen Ansatz, zwei verschiedene Kulturen in sich selbst und der eigenen Familie greifbar zu machen und verwickeln dazu Zeiten und Räume, das Bekannte und das Fremde gleichermaßen in einer opulenten Exotisierung des Selbst.